Nachdem bhv-Beschluss zum Start des Spielbetriebs im Oktober und dem im Laufe der Woche verteilten Verbandsrundschreiben hat sich unsere Gaimersheimer Abteilungsleitung intensiv mit diesen Unterlagen befasst und wir sehen noch deutlich Handlungsbedarf.

Weil wir niemanden überfordern wollen, haben wir uns dazu entschieden noch einmal mit dem Verband den Dialog zu suchen, bevor wir über weitere Maßnahmen und Konsequenzen entscheiden. Wir haben deshalb einen offenen Brief an den Verband formuliert.

Hier unser Schreiben im Wortlaut:

 

Liebe bhv-Kollegen,

als Gaimersheimer Handballer hätten wir es im Sinne des Jugend- und Breitensports begrüßt, wenn unter den gegebenen Umständen die Aufnahme des Spielbetriebs auf Szenario 2 (neues Jahr) und einer Übergangslösung analog der D-Jugend mit fallweiser Entscheidung vor Ort basierend auf der bisherigen Spieltagsplanung erfolgt wäre.

Im Sinne des Handballs möchten wir nur ungern unsere Mannschaften zurückziehen, müssen uns aber im Sinne unserer Mitglieder, Eltern, Trainer im Zweifelsfall diesen Schritt auch kurzfristig vorbehalten.

Wir sind uns bewusst, dass auch der Verband in diesen ungewöhnlichen Zeiten vor Herausforderungen steht, nichtsdestotrotz fühlen wir uns vor Ort in einigen Punkten im Stich gelassen. Die mit dem Rundschreiben vom 23.09. veröffentlichten Regelungen bedürfen noch dringend der Nacharbeit und sind in einigen Punkten grundsätzlich noch nicht tragfähig für die Aufnahme des Spielbetriebs.

Wir haben nicht den Eindruck, dass ihr euch des mit den Regelungen verbunden Mehraufwands vor Ort bewusst seid. Im Breitensport haben wir ausschließlich ehrenamtliche Helfer und die laufenden Anpassungen und jetzt die Ausweitungen für den Spielbetrieb, bringen jeden Verein an die Grenzen seiner Möglichkeiten.

Nachfolgend zunächst die Punkte die für eine generelle Tragfähigkeit des Konzepts noch fehlen (1), sowie weitere Anmerkungen (2) als Feedback unsererseits:

  • Grundsätzliche Voraussetzungen zur Tragfähigkeit
  • Die Vorgaben beziehen sich aktuell nur auf einzelne Spiele. Dieser Ansatz ist realitätsfremd, weil wir in der Regel ganze Handballspieltage Die aktuelle Spieltagsplanung erlaubt uns z.B. teilweise frühestens einen Kabineneinlass der Gastmannschaften 30-40 min vor Spielbeginn bei gleichzeitiger Beschränkung der Nutzer je Kabine (bei uns auf 6 Personen). Außerdem können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher sagen, ob wir die logistischen Anforderungen mit zusätzlichen ehrenamtlichen Helfern als Funktionspersonal überhaupt leisten können.
  • Die Angaben im Rundschreiben und Hygienekonzept in Bezug auf die vom RKI veröffentlichten Inzidenzwerte sind widersprüchlich. Hier bedarf es einer Spezifizierung:
    • Gilt der Wert für Bayern, die Spielstätte oder Spielstätte UND Heimatort der Gäste.
    • Zu welchem Stichtag?
    • Wie ist diese Regelung auf Spieltage zu erweitern?
  • Der Leitfaden Verdachtsfall (Stand vom 23.09.2020) verstößt gegen geltendes Datenschutzrecht. Das nur einen Tag später veröffentlichte Meldeformular ist bereits abweichend zum Leitfaden.
  • QR/Dokumentationslösung: Auch wir vor Ort brauchen Zeit um uns mit einer solchen Lösung vertraut zu machen, um sie vor Ort einzuführen. Just in time überfordert uns im Ehrenamt.
  • Es fehlen jegliche Aussagen zu Corona-bedingten Verlegungen, Absagen. Rückzügen etc.
    Auch die Durchführungsbestimmungen müssen entsprechend angepasst werden. Ihr weist zwar selber darauf hin, dass wir uns auf uns auf kurzfristige Änderungen einstellen müssen, es gelten aber weithin die „normalen“ Bestimmungen.

Während die oben aufgeführten Punkte elementar für jeglichen Spielbetrieb sind sehen wir einige Details bei denen wir noch eine laufende Nachbesserung benötigen:

Weiteres Feedback:

  • Hygienebeauftragter/-verantwortlicher (Hygienekonzept Spielbetrieb Praxis - Anreise und Halle – 1.6 und 7.3):
    Für uns vor Ort ist es befremdlich wie selbstverständlich und ohne Blick auf die lokalen Voraussetzungen hier Aufgaben verteilt werden. Wie vermutlich bei den meisten anderen Vereinen auch, hat bei uns die Rolle des Hygienebeauftragten ein Mitglied der Abteilungsleitung (bei anderen vielleicht aus dem Trainerkreis) zusätzlich übernommen. Neben der „normalen“ Vereinsarbeit heißt dies mindestens 14 tägliche Überarbeitung der Hygienekonzepte, Verhandlungen mit Trägern über Hallenfreigaben, Abstimmungen im Gesamtverein, etc. Hinzu kommt die Umsetzung der Maßnahmen im täglichen Sportbetrieb. Und für den Spielbetrieb unterstellt ihr pauschal die Verfügbarkeit des Hygienebeauftragten vor Ort und umfangreiche zusätzliche Kommunikation der Konzepte und Regelungen zwischen den Vereinen.
  • Zusätzliche Räumlichkeiten:
    Bei verschiedenen Passagen im Konzept fragen wir uns, ob ihr euch der Raumsituation in Bayerns Sporthallen überhaupt bewusst seid. z.B.:
    Hygienekonzept Spielbetrieb Praxis - Anreise und Halle – 2.1: Angrenzende freie Räumlichkeiten oder weitere Kabinen […] als zusätzliche Umkleidemöglichkeit
    Hygienekonzept Spielbetrieb Praxis - Anreise und Halle – 2.3: großen Raum für die technische Besprechung

    Bei uns existieren neben den Kabinen und Sanitär-/Schiedsrichterraum keine zusätzlichen Räume in der Halle.
  • Zusätzliche Reinigungs-/Desinfektionsarbeiten an Spieltagen:
    Einfach gesagt: zusätzliche Arbeiten erfordern zusätzliches Personal. Was für ein einzelnes Spiel vielleicht noch machbar ist, wird durch die Spieltagsthematik potenziert.
  • Schiedsgericht:
    Aus unserer Sicht der einzig vernünftige Lösungsansatz am Kampfgericht sind Einweghandschuhe zur Benutzung der Hallenuhren und Laptops. Auch der Umgang mit TimeOut-Karten kann damit vereinfacht werden.
    Desinfektionsmittel sind für elektronische Geräte nicht sachgerecht.
    (Hygienekonzept Spielbetrieb Praxis - Anreise und Halle – 5)

Bitte nicht missverstehen: Wir suchen den konstruktiven Dialog, aber wir müssen auch alle Regelungen vor Ort gegenüber Spielern, Eltern, Zuschauern, … vertreten.

Wir würden uns nach wie vor die eingangs beschriebene Lösung wünschen, das würde uns allen auch mehr Zeit geben den Spielbetrieb angemessen vorzubereiten.

Mit voreiligen Schnellschüssen verlieren wir vor Ort die Unterstützung all der helfenden Hände auf die wir dringend angewiesen sind.

Unsere höchste Priorität liegt bei den Menschen, die wir auch nicht überfordern dürfen. Ihre Nöte und ihre Sicherheit sind uns wichtiger als der Wettkampfbetrieb.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Schloß

(Stellv. Abteilungsleiter)

Im Namen der Handball-Abteilungsleitung des TSV Gaimersheim